WOLFGANG STAUDTE

Biografie

*9. Oktober 1906, Saarbrücken – †19. Januar 1984, Zigarski

1926 kommt Wolfgang Staudte zum Theater in Berlin. Nach ersten Auftritten im Film ab 1931 wird ihm 1933 die Erlaubnis zum Bühnenschauspiel entzogen. Daraufhin dreht er Kurzfilme, ist als Synchron- und Rundfunksprecher tätig, realisiert Werbe- sowie Kompilationsfilme und ist in kleineren Filmrollen zu sehen. 1941 inszeniert er seinen ersten Studio-Kurzfilm „Ins Grab kann man nichts mitnehmen“ und 1942 sein Langfilmdebüt „Akrobat Schö-ö-ön“. Wegen des Verbots von „Der Mann, dem man den Namen stahl“ verliert er 1944 seine Freistellung vom Kriegsdienst, den er aber nicht antreten muss. Nach Kriegsende dreht er 1946, nachdem sein Drehbuch im Westen abgelehnt wurde, für die DEFA „Die Mörder sind unter uns“. „Rotation“ (1948) wie auch sein wichtigstes Werk „Der Untertan“ (1951) nach Heinrich Mann beschäftigen sich mit dem deutschen Faschismus und seinen Quellen im spießigen und scheinbar unpolitischen Bürgertum. „Der Untertan“ wird in der BRD erst sechs Jahre später aufgeführt. „Die Geschichte vom kleinen Muck“ aus dem Jahr 1953 wird einer der erfolgreichsten Märchenfilme der DEFA. Nach Differenzen über die Verfilmung von Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ arbeitet Wolfgang Staudte, trotz Anfeindungen und politischem Druck, ausschließlich in der Bundesrepublik. Anfangs kann er seine politischen Filme nicht immer adäquat umsetzen. Mit „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959), „Kirmes“ (1960) und „Herrenpartie“ (1964) beschäftigt er sich aber wieder erfolgreich mit der verborgenen Fortsetzung des Nationalsozialismus, verdrängter Vergangenheit und den Gräueln des Kriegs, was ihm einerseits einen (abgelehnten) Bundesverdienstpreis und andererseits Beschimpfungen als ‚Nestbeschmutzer’ einbringt. In den 60er Jahren dreht er zudem harmlose Gaunerfilme und gründet die Cineforum Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft, die jedoch einen finanziell folgenreichen Flop produziert. Zur Auftragsarbeit beim Fernsehen gezwungen, inszeniert er handwerklich hervorragende Folgen für „Der Kommissar“ und „Tatort“ sowie aufwändige Fernsehfilme und Mehrteiler. Auf Wunsch Stanley Kubricks übernimmt er die Synchronisation zwei seiner Filme. Mit „Zwischengleis“ (1978) und „Der Snob“ (1983) setzt er sich im Kino und Fernsehen noch mal mit dem Thema von Schuld und Verdrängung im Nachkriegsdeutschland sowie dem deutschen Spießbürgertum und dessen Verhältnis zur Macht auseinander.


 

"Der Mann, dem man den Namen stahl" - D 1945, 82 Min., Farbe: SW

Regie: Wolfgang Staudte - Drehbuch: Josef Maria Frank, Wolfgang Staudte - Produzent: Bernhard F. Schmidt - Produktionsfirma: Tobis-Filmkunst GmbH, Berlin - Verleih: Transit Film GmbH - Kamera: Eduard Hoesch - Musik: Herbert Trantow, Oskar Schima - Darsteller: Wolfgang Dohnberg, Axel von Ambesser, Walter Bluhm, Egon Brosig, Änne Bruck

Inhalt: Als der Provinzler Fridolin Biedermann die Tochter seines Chefs heiraten möchte, wird er verhaftet, da ein Heiratsschwindler ihm bei einem Besuch in der Großstadt die Brieftasche samt persönlichen Unterlagen geraubt und einigen Frauen damit die Mitgift abgejagt hat. Biedermanns Unschuld kann zwar bewiesen und der Betrüger ausfindig gemacht werden, doch der Weg bis zur Heirat gerät für ihn weiterhin zu einem absurden und verwirrenden Gang durch die Verwaltungsinstanzen.       

Info: Die Parodie auf den bürokratischen Apparat wurde noch vor ihrer Aufführung von der Zensurbehörde verboten und galt lange Zeit als teilweise verschollen. Die Unabkömmlichstellung des Regisseurs vom Kriegseinsatz wurde aufgehoben und nur eine Intervention Heinrich Georges konnte dessen Einziehung verhindern. Staudte drehte mit "Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B." 1948 ein Remake seines eigenen Films. Erst 1996 konnte das Original rekonstruiert und aufgeführt werden.    


 

"Die Mörder sind unter uns" - SBZ (DDR) 1946, 84 Min., Farbe: SW

Regie: Wolfgang Staudte - Drehbuch: Wolfgang Staudte - Produzent: Herbert Uhlich - Produktionsfirma: DEFA-Studio für Spielfilme - Verleih: Deutsche Kinemathek - Kamera: Friedl Behn-Grund, Eugen Klagemann - Musik: Ernst Roters - Darsteller: Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Ernst Wilhelm Borchert, Christian Schwarzwald

Inhalt: Im Berlin des Jahres 1945 begegnet der traumatisierte Chirurg Dr. Mertens seinem ehemaligen Hauptmann Brückner wieder, der 1942 im Krieg eine Erschießung von Frauen und Kindern angeordnet hatte, jetzt aber ein bürgerliches Leben als Kochtopfhersteller führt. Mertens will ihn mit einer Pistole hinrichten, doch seine Geliebte Susanne, die ein Konzentrationslager überlebt hat, überzeugt ihn, dass die Sache öffentlich verhandelt werden muss.

Info: Im ersten deutschen Nachkriegsfilm wird die Frage nach der Schuld am Massenmord im Krieg, persönlicher Verantwortung  und der Wiedergutmachung diskutiert. Das eigentliche Ende des Films, nämlich die vollzogene Selbstjustiz, wurde auf Einwand des sowjetischen Majors Dimschitz abgeändert.


Biografie und Filminformationen als Download
Filmblatt Wolfgang Staudte.pdf


 

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