ERICH ENGEL

Biografie

*14. Februar 1891, Hamburg – †10. Mai 1966, Berlin/West

Von 1910-11 besucht Erich Engel die Schauspielschule, anschließend ist er an verschiedenen Wanderbühnen angestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg engagiert sich Engel in der Kulturarbeit der sozialistischen USPD und wird Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Theatern. 1923 inszeniert er mit „Im Dickicht“ ein Bühnenstück von Bertolt Brecht und dreht im gleichen Jahr zusammen mit diesem seinen ersten Kinofilm „Mysterien eines Frisiersalons“. Damit legt Engel den Grundstein für eine jahrelange, politisch progressive Kooperation. Auf der Theaterbühne beschäftigt er sich neben Brecht u. a. mit Stoffen von Büchner, Shakespeare, Shaw und Kleist. Ab 1931 inszeniert er hauptsächlich Kinofilme, mehrere davon mit Jenny Jugo als Star, vor allem Komödien und Alltagsgeschichten mit sozialem Hintergrund. In seiner Zeit am Deutschen Theater äußert sich Erich Engel angeblich gegen die Beschäftigung von Christen und soll deshalb 1933 wegen Kommunismus aus der Ufa entlassen werden. 1935 schafft er es, in seinem Film „… nur ein Komödiant“ Kritik an Militarismus und Autoritarismus von der Zensur unbemerkt unterzubringen. Um sich der Propaganda-Kontrolle zu entziehen, dreht er in den Kriegsjahren vor allem harmlose Liebesfilme und schafft es trotz Zugeständnissen an die NS-Zensur sein wichtigstes Anliegen, die Veränderbarkeit von Menschen und Verhältnissen, in seinen Filmen einzubringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet er wieder mit Brecht zusammen und dreht seinen ersten und gleichzeitig bedeutendsten Film bei der DEFA, den politischen „Affaire Blum“. Wegen seines detailverliebten und kostspieligen Arbeitsstils kommt es zu Spannungen mit der DEFA, weshalb er, auch aus Verdienstgründen, ab Mitte 1950 hauptsächlich in der BRD arbeitet. Nach Bertolt Brechts Tod 1956 sollten dessen klassischen Stoffe durch ein Regiekollektiv unter Leitung von Engels filmisch dokumentiert werden, doch bis auf „Mutter Courage“ wird dies nicht realisiert. Nach dieser Inszenierung arbeitet Erich Engel, in West-Berlin lebend, hauptsächlich am Theater der DDR, wird Professor an der Akademie der Künste und dreht mit dem meisterhaften DEFA-Kriegsdrama „Geschwader Fledermaus“ 1958 seinen letzten Film.


 

"Es lebe die Liebe" - D 1943, 89 Min., Fabre: SW

Regie: Erich Engel - Drehbuch: Walter Wassermann, C.H. Diller, nach dem Roman "Das Rätsel Manuela" von Anna
Elisabeth WeirauchProduzent: Fred Lyssa - Produktionsfirma: Bavaria-Filmkunst GmbH, München - Verleih: Transit Film GmbH, Kamera: Erich Claunigk - Musik: Peter Kreuder - Darsteller: Johannes Heesters,
Lizzi Waldmüller, Hilde Seipp, Heini Handschumacher, Viktor
Afritsch

Inhalt: Der Operettentenor des Berliner Apollo-Theaters Manfred Richter versucht bei einem Aufenthalt in Barcelona die Diva Manuela de Orta für seine Revue zu gewinnen.
Später begegnet sie ihm in Berlin unerkannt wieder und er heiratet sie, um Ruhe vor seinem unruhigen Künstlerleben zu finden. Sie geht auf das Spiel ein und gibt die perfekte
bürgerliche Hausfrau, doch allmählich erkennt er ihre wahre Identität.

Info: Die Autorin des Drehbuchs Anna Elisabeth Weirauch hat sich in ihrem früheren Werk Der Skorpion als eine der ersten mit lesbischer Liebe beschäftigt, was dieses auf die Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums der Nationalsozialisten brachte. Die Autorin, selbst lesbisch, war dennoch Mitglied der Reichsschrifttumskammer, vermied es aber im Dritten Reich über das Thema zu schreiben. Der Film ist daher auch nicht mehr und nicht weniger als ein kurzweiliger Unterhaltungs- und Liebesfilm mit Gesangseinlagen


 

"Affaire Blum" - SBZ (DDR) 1948, 110 Min., Farbe: SW

Regie: Erich Engel - Drehbuch: Robert A. StemmleProduzent: Herbert Uhlich - Produktionsfirma: DEFA-Studio für Spielfilme - Verleih: Deutsche Kinemathek Kamera: Friedl Behn-Grund, Karl Plintzner - Musik: Herbert Trantow - Darsteller: Hans Christian Blech, Gisela Trowe, Arno Paulsen, Kurt Ehrhardt, Paul Bildt

Inhalt: In einer mitteldeutschen Stadt der 20er Jahre wird der jüdische Unternehmer Jacob Blum wegen Mordes an seinem Buchhalter angeklagt. Der Untersuchungsrichter
möchte trotz Gegenbeweisen und Spuren, die zum eigentlichen Täter führen, den Juden verurteilen. Erst ein Berliner Kommissar kann den Hauptbelastungszeugen und ehemaligen Freikorpskämpfer Gabler der Tat überführen.

Info: Der Film basiert auf den tatsächlichen Ereignissen eines Magdeburger Justizskandals im Jahr 1926. Er gibt die konservativ-nationalistischen und antisemitischen Tendenzen zu Zeiten der Weimarer Republik, und damit die Vorstufen Nazideutschlands im Staatsapparat, authentisch wieder. Regisseur Engel erhielt für den Film, in Verbindung mit seiner Inszenierung von Mutter Courage und ihre Kinder, den Nationalpreis II. Klasse der DDR.


Biografie und Filminformationen als Download
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